Mallorca 312
 
Am Freitag den 28.04 ging es abends mit dem Flieger nach Mallorca. Schon das zweite Mal in diesem Jahr reiste ich mit Rennrad im Gepäck auf die Insel, doch diesmal sollte es keine Trainingswoche werden. Vielmehr stand die Teilnahme an Mallorcas berühmten Radmarathon Mallorca 312 an, dessen Streckenführung die Fahrer tatsächlich 312 km über die Insel führt und die ersten 140 km davon durch die Berge. Am Ende der Runde stehen annähernd 5000 Höhenmeter zu Buche, was für eine Herausforderung.
Alex hatte schon die Woche vor Ort verbracht, während ich erst Freitagabend um 22 Uhr im Hotel eincheckte. Schnell noch das Rad aufbauen und versuchen für ein paar Stunden Schlaf zu finden, denn um 6 Uhr wollte die Startnummer abgeholt werden. Am Rennmorgen war es unglaublich kalt und Alex und ich wurden getrennt, da wir uns in verschiedenen Startblöcken aufstellen mussten. Zu allem Überfluss verzögerte sich der Start, so dass wir knapp eine Stunde in der Kälte standen. Dann ging es endlich los und ich versuchte sofort Anschluss zu der vorherigen Startgruppe herzustellen. Beim Abzweig nach Alcudia bemerkte ich ein Geräusch am Vorderrad und versuchte den Fremdkörper zu entfernen, was aber nicht gelang. Ich beschloss anzuhalten und bemerkte eine Reißzwecke im Vorderrad und hörte auch schon die Luft ausströmen. Also ein Plattfuß nach 5 km... der schlimmste Albtraum. Das hieß den Schlauch wechseln, gesagt getan. Als der Reifen wieder aufgepumpt war, drehte sich beim Abschrauben der Pumpe das Ventil mit heraus und die Luft ging dahin. Ich bekam einen kurzen Wutanfall und machte meinem Ärger Luft, denn mittlerweile waren auch die letzten Starter an mir vorbei gehuscht. Ich muss gestehen, dass ich ganz kurz an Aufgabe dachte, doch dann besann ich mich und wechselte erneut den Schlauch. Diesmal hielt alles und ich hatte wieder ein fahrtüchtiges Fahrrad.
 
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Ich war nun mit Abstand der letzte Fahrer auf der Runde, eine immense mentale Herausforderung. Mir gingen Durchfahrtszeiten und der Besenwagen durch den Kopf und ich musste an Alex denken, der jetzt gerade viel weiter vorne in einer starken Gruppe fuhr und den ich erst am Abend wieder sehen würde. Das war mir klar, so weit nach vorne würde ich es keinesfalls mehr schaffen. Doch jetzt hatte ich erst mal andere Probleme. So fuhr ich 20 km einsam allen hinterher, bis ich endlich die ersten Fahrer mit Startnummer überholte. Das gab mir Zuversicht und ich fuhr recht zügig in der ersten Steigung an den Besenwagen heran, wo sich schon so früh im Rennen große Dramen abspielten, weil einige Fahrerinnen und Fahrer sich zu einem Grupetto hinter dem Besenwagen zusammen gefunden hatten und um den Verbleib im Rennen kämpften. Ich zog vorbei und rundete mich zurück ins Geschehen. Jetzt kam eine stetige Aufholjagd durch die Berge. Sowohl bergauf als auch bergab überholte ich die Anderen.
An der Trinkverpflegung hielt ich kurz und pumpte meinen Reifen auf vollen Druck auf, bis hierher war ich nach dem Defekt mit 4 Bar gefahren, das rollt eher suboptimal. Weiter gings bis zur ersten Essensverpflegung, wo ich ausgiebig Pause machte. Wenn ich auch nicht total überzogen hatte, merkte ich doch meine Aufholjagd. Auf dem nächsten Abschnitt traf ich einen Freund, so dass ich mal einen Mitfahrer hatte und mich unterhalten konnte, eine willkommene Abwechslung. So ging es dann zügig weiter um schließlich die Berge zu verlassen und gegen den erstarkten Wind wieder ans andere Ende der Insel zu fahren. Hier hatte ich Glück mit meinen Begleitern und fand immer starke Mitfahrer, die mit mir im Wechsel im Wind fuhren, so dass es gut voran ging.
 
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Dann gab es eine Streckenzusammenführung und plötzlich war es voll. In dem Getümmel traf ich dann noch eine Freundin, die aber nicht den Marathon fuhr, sondern zum Trainingslager hier war. Wir unterhielten uns bis zur nächsten Verpflegung, wo sie sich verabschiedete. Für mich galt es jetzt noch eine 90 km Schleife dran zu hängen und nach der Streckenteilung wurde es auch deutlich leerer. Ich merkte jetzt, dass es mir an die Substanz ging und konnte kaum noch etwas essen. Aber irgendwie konnte ich mich durchbeißen, teils in Gruppen und manchmal auch allein. An der letzten Verpflegung gab es dann Bier für alle und ich fand anschließend einen tollen Zug ins Ziel. Unglaublich erschöpft aber gerade wegen der Umstände sehr stolz auf das Geleistete überfuhr ich die Ziellinie und nahm die Medaille entgegen. Alex war übrigens gut eine Stunde vor mir im Ziel. Chapeau zu seiner tollen Leistung! Überhaupt muss hier mal erwähnt werden, dass hier unglaublich viele sehr starke und ambitionierte Hobbyfahrer am Start waren. Am Abend ließen wir den Tag dann bei Steak und Bier gemütlich ausklingen und kommen sicher noch mal wieder.
 
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Alexander König