Gran Fondo New York

Es sollte ein ganz besonderes Abenteuer werden. Ein Radmarathon in New York! Wie verrückt ist das denn bitte??? Das hatten sich Alexander Malek vom Endspurt Wuppertal und ich uns Ende 2016 zunächst auch gedacht und die Idee zunächst wieder verworfen. Aber irgendwie ließ das Thema uns nicht mehr los und so wurden schließlich doch zwei Startplätze gebucht. Wir waren uns einig, dass man die Gelegenheit nutzen musste um ein paar zusätzliche Tage in dieser riesigen Stadt zu verbringen. So trafen wir uns am Donnerstag, den 18.05 im Hotel in Manhattan. Alex wurde durch seine Freundin begleitet, der auch mein besonderer Dank für ihre Unterstützung gilt.

Am Freitag fuhren wir bereits unsere erste Trainingsrunde, kreuzten den Central Park und probierten einige Radwege aus, was mal mehr und mal weniger erfolgreich war. Leider sind einige gute Ideen für Radfahrer nicht konsequent zu Ende gedacht, was uns immer wieder vor besondere Herausforderungen stellte. Aber es gibt tatsächlich auch Radtrassen mit großer Ähnlichkeit zu den Trassen im Bergischen Land, die einen aus der Stadt heraus führen. Und auch der Radweg am Hudson River ist größtenteils sehr gelungen und schön, endet dann allerdings abrupt auf dem Weg nach Norden.

Nachmittags und abends haben wir Zeit in der Stadt verbracht und uns möglichst viel angesehen. Samstag sind wir dann eine deutlich kleinere Runde gefahren und haben die Brooklyn Bridge besucht. Anschließend ging es zur Einschreibung für das Rennen, wo wir unsere Nummern und Trikots, die übrigens verpflichtend zu tragen sind während des Rennens, entgegen nahmen. Danach besuchten wir noch das Rockefeller Center um uns einen Überblick von oben über NewYork zu verschaffen. An diesem Abend ging es dann früh ins Bett, da wir am Sonntag um 5:15 das Hotel verlassen mussten, um rechtzeitig am Startort auf der Washington Bridge zu sein.

Also stand ich um 5:15 unten... und wartete... bis Alex schließlich kam und mir erzählte, dass er verschlafen hatte, weil sein Alarm nicht funktioniert hatte. Dann ging es 17 km am Hudson entlang, durch die Kontrollen vor dem Startbereich, wo unsere Nummern gecheckt wurden, auf das untere Deck der George Washington Bridge, wo 5000 Radfahrer auf den Start um 7 Uhr warteten. Dann ging es endlich los. Bei schönstem Wetter rollte der riesige Tross von der Brücke. Es ging auf wundervollen kleinen Straßen am Hudson entlang und schließlich in Richtung Bear Mountain. Die Strecke war zu großen Teilen komplett abgesperrt, oder der Verkehr wurde von der Polizei geregelt, was uns Radfahrern ein gutes Sicherheitsgefühl gab. Alex hatte ein paar technische Probleme mit seinem Bike, doch wir blieben zusammen bis zur Verpflegung auf dem Bear Mountain. Der Weg dorthin war unglaublich schön und deutlich grüner und ländlicher als erwartet, mal entlang des Wassers des Hudson Rivers, mal etwas im Hinterland, aber immer wellig und nie langweilig. Nach der rasanten Abfahrt vom Bear Mountain verloren Alex und ich uns irgendwo aus den Augen und ich fuhr teils allein, teils in kleinen Gruppen mit sehr starken Fahrern über die Wellen und Anstiege. Das Profil der Strecke war wirklich anspruchsvoll und wartete mit einigen echten Rampen auf, die schon fast an die Ardennen in Belgien erinnerten. Die Strecke forderte viel von mir und das Tempo war beständig hoch, was mir letztendlich alles abverlangte. Die letzten 10 km musste ich mich durchbeißen gegen Hunger und Erschöpfung und erreichte schließlich glücklich nach 5h 48min das Ziel. Die Streckenlänge beträgt 100 Meilen, was in etwa 162 km entspricht und ist mit über 2000 Höhenmetern wirklich nicht leicht zu bewältigen. Ich musste nicht lange auf Alex warten, der trotz nochmaliger technischer Probleme kurz nach mir ebenso erschöpft das Ziel erreichte. Nach dem obligatorischen Zielbier, ging es für Alex und mich mit dem Rad zurück ins Hotel, was uns auf knapp 195 km Tagesdistanz brachte. Bei Bier und Burger ließen wir den Tag ausklingen. Wir waren uns einig, dass die Aktion sich voll und ganz gelohnt hatte. Die Strecke war traumhaft und sehr anspruchsvoll und die Organisation wirklich vorbildlich. Da gab es wirklich nichts zu bemängeln.

Für Montag war Regen angesagt und so kam es dann auch. Also machten wir einen Ruhetag, fuhren viel mit der Metro und schauten uns weitere Teile von New York an. Dienstag sollte es aber noch mal aufs Rad gehen. Wir fuhren noch mal über die Washington Bridge, diesmal über den Radweg, nach New Jersey und drehten dort eine schöne Runde. Abends tranken wir zum Abschluss noch gemeinsam den Rotwein, der im Starterpaket enthalten war. Am Mittwochmorgen wollte dann noch das Rad zerlegt und eingepackt werden, bevor es mittags für mich zum Flughafen ging.

Das war auf jeden Fall ein sehr besonderes Erlebnis für mich, das mir lange in Erinnerung bleiben wird. Noch mal vielen Dank an Alex und Nicole für die tolle Zeit!

Alexander König


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Für mehr Infos: Gran Fondo New York

Presse: WR WP Verrückte Idee zunächst verworfen 09.06.2017