Alpenbrevet, oder ein sehr kaltes Wochenende in der Schweiz

Das Alpenbrevet startete dieses Jahr zum 40-jährigen Jubiläum in Andermatt. Ich reiste Donnertags an, um mich am Samstag auf die längstmögliche Runde, die Platin-Tour, über 5 Alpenpässe mit 260km und knapp 7000 Höhenmetern zu begeben.

Angekommen in der Schweiz hieß es zunächst: Rauf aufs Bike! Erst mal am Donnerstagabend noch auf den Furkapass. Hoch war es warm, runter kalt und nass. Es kann halt nicht immer nur die Sonne scheinen. So bekam ich erst mal eine ordentliche Dusche, willkommen in den Alpen. Am Freitag checkte ich noch mal alles und rollte gemütlich auf den Gotthard und wieder runter um schließlich meine Startnummer in Andermatt abzuholen. Gegen Abend füllte sich dann meine Mehrbett-Sammelunterkunft und wir waren 14 Radfahrer in der Stube.

Um 5 Uhr am Samstag hieß es aufstehen, frühstücken und bei warmen 9 Grad zum Start rollen. Die Temperatur sollte noch eine Rolle spielen. Um 6:45 ging es für die ersten Starter los, für mich um 6:50. Wir rollten zunächst neutralisiert ins Tal nach Wassen, wo dann nach 10km schon der erste Anstieg zum Sustenpass begann. Lang und hart, das trifft wohl auf alle Anstiege auf dieser Runde zu. So ging es stetig weiter und immer höher und es wurde kälter und kälter. Alle Pässe hatten oben zwischen 2 und 4 Grad, mehr nicht.

Über die Passhöhe gerollt, ging es für mich in die rasende Abfahrt, um mich danach schon in der nächsten Steigung zum Grimselpass wieder zu finden. Der zog sich gewaltig hin und saugte mir die Energie aus dem Körper. Der Verkehr erleichterte das Unterfangen nicht gerade, leider sind die Straßen nicht abgesperrt bei dieser ansonsten sehr schönen Veranstaltung. Nachdem ich den Grimsel überlebt hatte, wieder das gleiche Spiel: kurz und schnell runter und wieder steil hoch. Diesmal wartete der Nufenenpass.

Der Nufenen ist sehr steil und hat lange Passagen mit 11 und 12 Prozent Steigung, er steigt 1100m auf 13km. So kroch ich nach oben und merkte schon, dass mir durch einen Infekt 4 Wochen zuvor einiges an Kraft fehlte, zusätzlich verlangte mir die Kälte alles ab. Im abgsicherten Modus kam ich schließlich auch über die Passhöhe des Nufenen, allerdings wusste ich, dass die Karenzzeit für die Platin-Tour nunmehr kaum einzuhalten war. Man hat an dieser Stelle nach 120km bereits 4000 Höhenmeter in den Beinen, unfassbar wie komprimiert das auf dieser Tour ist. In Airolo erreichte ich die Verpflegung um Punkt 14:15, das war gleichzeitig der Zeitpunkt, an dem die Platin-Tour dort geschlossen wurde. Ich hätte also noch fahren können.

Ich traf aber eine andere Entscheidung, die ich mir nicht leicht machte. Manchmal ist sowas schwieriger als eine lange Tour zu fahren. Aufgrund der Signale meines Körpers und des Wetters entschied ich mich nämlich in Airolo auf die Gold-Tour abzubiegen, anstatt die anvisierte Platin-Runde in Angriff zu nehmen (die Vernunft hat gesiegt und ich habe es nicht bereut, auch wenn ich zunächst enttäuscht war). So fuhr ich bei 3 Grad über das Kopfsteinpflaster des alten Gotthardpasses und rollte die Abfahrt hinunter ins Ziel. So kam ich auf 160km mit knapp 5000 Höhenmetern.

Am Sonntag war das Wetter wieder deutlich besser, allerdings war es noch kalt. Ich entschied noch zwei Tage zu bleiben und fuhr an diesem Tag Gotthard und Nufenen noch mal entgegengesetzt. Zum Abschluss gab es dann noch den Furka zurück nach Hospental. Ich wurde mit viel Sonne und umwerfenden Ausblicken belohnt.

40086250 2183271011944247 226155720628764672 n40118776 2183270878610927 8728058773144338432 n40458136 1086871274824276 6947704772078075904 n

Am Montag bin ich die Platin-Runde des Alpenbrevets noch zu Ende gefahren, das konnte ich ja nicht auf mir sitzen lassen. Außerdem wollte ich das Wetter nutzen und die Alpen noch ein wenig genießen. Es ging also erneut von Hospental aus über den Gotthard nach Airolo und dann über Biasca den Lukmanierpass nach Disentis und schließlich den Oberalppass zurück nach Andermatt und Hospental. Es war eine harte und wunderschöne Runde.

Ich habe diesen Ausflug in die Alpen sehr genossen und durfte an einer tollen Veranstaltung teilnehmen. Letztendlich war das Wetter ja dann doch noch versöhnlich und ich konnte meine "Abkürzung" gut verschmerzen.

Hier findet ihr noch mehr Bilder aus dieser tollen Alpenwelt.